15 Thüringer Schornsteinfeger zu Gast bei Fröling in Grieskirchen

Fachseminar verbindet moderne Biomasseheiztechnik, praktische Kesselreinigung und spannende Einblicke in die Produktion
Wie entwickelt sich moderne Biomasseheiztechnik weiter? Welche Anforderungen stellen aktuelle Scheitholz-, Pellet-, Kombi- und Hackgutfeuerungen an Betrieb und Abgasanlage? Und welche zusätzlichen Tätigkeitsfelder können sich daraus für das Schornsteinfegerhandwerk ergeben? Mit diesen und vielen weiteren Fragen beschäftigten sich 15 Thüringer Schornsteinfeger bei einer zweitägigen Werksfahrt zum Heizkesselhersteller Fröling nach Grieskirchen in Österreich.
Im Mittelpunkt stand dabei nicht nur die Theorie. Das Fachseminar verband technische Weiterbildung mit intensiver praktischer Arbeit an den Heizkesseln und einer ausführlichen Führung durch die Produktion.

Moderne Biomasseheiztechnik im Gesamtsystem
Den fachlichen Teil der Schulung übernahm Rudolf Gruber von Fröling. Zunächst erhielten die Teilnehmer einen umfassenden Überblick über die Entwicklung des Unternehmens und das heutige Produktportfolio. Anschließend ging es tief in die Technik moderner Scheitholz-, Pellet-, Kombi- und Hackgutfeuerungen.
Ein Schwerpunkt lag auf dem Verbrennungsprozess und der modernen Regelungstechnik. Behandelt wurden unter anderem Luftführung, Lambdaregelung, Abgastemperatur, Feuerraumüberwachung und die Anpassung der Verbrennung an unterschiedliche Betriebsbedingungen.

Für die Schornsteinfeger war insbesondere das Zusammenspiel zwischen Feuerstätte, Brennstoff, Heizungsanlage und Abgasanlage von Interesse. Denn auch ein moderner Biomassekessel kann nur dann effizient, emissionsarm und betriebssicher arbeiten, wenn sämtliche Komponenten des Systems fachgerecht geplant und aufeinander abgestimmt sind.
Auch die erforderlichen Zug- und Druckverhältnisse im Schornstein sowie der Einsatz von Zugbegrenzern wurden ausführlich besprochen. Gerade an dieser Schnittstelle zwischen Heizkessel und Abgasanlage kommt dem Schornsteinfeger eine wichtige Rolle bei Beratung, Abnahme und wiederkehrender Überprüfung zu.
Pufferspeicher und Brennstoffqualität im Fokus
Einen weiteren Schwerpunkt bildete die richtige Dimensionierung von Pufferspeichern bei Scheitholzfeuerungen. An praktischen Berechnungsbeispielen wurde erläutert, welchen Einfluss unter anderem Kesselleistung, Füllraum, Brennstoff, Heizwert und die nutzbare Temperaturspreizung des Speichers auf die notwendige Speichergröße haben.
Ebenso intensiv wurde die Qualität des eingesetzten Brennstoffes betrachtet. Feuchtegehalt, Beschaffenheit und Lagerung des Holzes haben unmittelbaren Einfluss auf Verbrennungsqualität, Wirkungsgrad, Emissionen und Verschmutzung der Feuerungsanlage.
Bei Pelletanlagen standen darüber hinaus die Pelletlagerung, Staubentwicklung, regelmäßige Reinigung der Lagerräume sowie Möglichkeiten der Pelletentstaubung auf dem Schulungsprogramm.

Neue Kesselgeneration und moderne Emissionsminderung
Natürlich durfte auch ein Blick auf die aktuellen technischen Entwicklungen bei Fröling nicht fehlen. Moderne Regelungs- und Sensortechnik ermöglicht eine immer präzisere Steuerung der Verbrennung.
Für das Schornsteinfegerhandwerk besonders interessant ist die Weiterentwicklung der Partikelabscheidung direkt am Heizkessel. Bei entsprechenden Anlagen können Partikelabscheider in das Kesselsystem integriert werden. Damit rücken Feuerungstechnik und Emissionsminderung technisch immer enger zusammen.

Auch moderne Kombinationsmöglichkeiten von Scheitholz und Pellets sowie modular aufgebaute Systeme wurden vorgestellt. Sie zeigen, wie stark sich die klassische Holzheizung inzwischen zu einem automatisierten und elektronisch überwachten Gesamtsystem entwickelt hat.
Nicht nur zuschauen: Heizkessel selbst zerlegt und gereinigt

Nach der Theorie folgte ein für die Teilnehmer besonders interessanter Praxisteil.
Unter Anleitung von Rudolf Gruber wurden verschiedene Heizkessel gemeinsam geöffnet und teilweise zerlegt. Dadurch konnten die Teilnehmer Aufbau, Komponenten, Verbrennungswege und Reinigungsbereiche unmittelbar am Gerät kennenlernen.
Im Mittelpunkt stand dabei insbesondere die Frage: Wie wird ein moderner Biomasseheizkessel fachgerecht und gründlich gereinigt?

Für die teilnehmenden Schornsteinfeger war dieser Bereich auch aus betrieblicher Sicht interessant. Neben den klassischen Schornsteinfegerarbeiten können sich aus der professionellen Reinigung von Biomasseheizkesseln zusätzliche Dienstleistungsangebote entwickeln.
Die praktische Schulung vermittelte dafür wertvolle Kenntnisse darüber, welche Bauteile zugänglich gemacht werden müssen, wo sich Verbrennungsrückstände ablagern können und worauf bei der Reinigung unterschiedlicher Kesselkonstruktionen zu achten ist.
Vom einzelnen Bauteil bis zum fertigen Heizkessel
Ein weiteres Highlight wartete am letzten Vormittag: Bei einer ausführlichen Werksführung durch die Produktion in Grieskirchen konnten die Thüringer Gäste verfolgen, wie ein Heizkessel tatsächlich entsteht.
Rudolf Gruber führte die Gruppe durch die unterschiedlichen Produktionsbereiche und erläuterte die einzelnen Fertigungsschritte. So konnten die Teilnehmer den Weg vom Ausgangsmaterial über Bearbeitung, Fertigung und Montage bis hin zum fertigen Heizkessel unmittelbar nachvollziehen.
Gerade dieser Blick hinter die Kulissen machte deutlich, welcher konstruktive und fertigungstechnische Aufwand hinter einer modernen Biomassefeuerungsanlage steckt.
Weiterbildung mit direktem Nutzen für die tägliche Praxis
Die zweitägige Veranstaltung zeigte einmal mehr, welchen Stellenwert die kontinuierliche Weiterbildung im Schornsteinfegerhandwerk besitzt. Die Feuerungstechnik entwickelt sich stetig weiter. Elektronische Regelungen, Sensorik, automatisierte Verbrennungsprozesse und Systeme zur Emissionsminderung stellen auch an Schornsteinfeger immer höhere fachliche Anforderungen.
Wer Feuerungsanlagen fachgerecht beraten, beurteilen, abnehmen und überprüfen möchte, muss deshalb nicht nur die gesetzlichen und technischen Anforderungen kennen, sondern auch verstehen, was innerhalb des Heizkessels tatsächlich passiert.
Genau hier lag der besondere Mehrwert der Werksfahrt: Theorie verstehen, Technik selbst in die Hand nehmen und anschließend erleben, wie diese Technik produziert wird.
Besonderer Dank an die Organisatoren
Ein großer Dank gilt Rudolf Gruber, der die Thüringer Schornsteinfeger durch die beiden Schulungstage begleitete. Mit seiner theoretischen Schulung, dem ausgesprochen praxisnahen Teil direkt an den Heizkesseln und der abschließenden Werksführung vermittelte er den Teilnehmern zahlreiche neue Erkenntnisse für ihre tägliche Arbeit.
Ein ebenso besonderer Dank geht an Michael Pohl, Gebietsvertreter von Fröling für Thüringen. Durch sein Engagement wurde diese Werksfahrt überhaupt erst ermöglicht und organisiert. Auch seine Betreuung der Teilnehmer während der Fahrt trug wesentlich zum Erfolg der Veranstaltung bei.
Nicht zuletzt gilt der Dank dem gesamten Fröling-Team in Grieskirchen für die Gastfreundschaft, die offenen Gespräche und die Möglichkeit, einen intensiven Blick hinter die Kulissen des Unternehmens zu werfen.
Das Fazit nach zwei Tagen fiel entsprechend positiv aus: viel Technik, viel Praxis, zahlreiche neue Impulse und ein intensiver fachlicher Austausch zwischen Hersteller und Schornsteinfegerhandwerk. Eine Weiterbildung, deren Erkenntnisse unmittelbar in die tägliche Arbeit der Thüringer Schornsteinfeger einfließen können.